Es gibt ein Leben vor dem Tod

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Die Geschichte von Signora Mariette

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Ich hätte ein Foto von ihr machen sollen. Aber es war so unerwartet, dass sie mir ihre Geschichte erzählt hat. Sie stand da in der Türe als ich vorbei kam, ich sagte ein paar Worte, wie schön ich ihre Estancia finde, fragte sie ob sie von hier stammt. Irgendwie hat es gepasst und sie erzählte…

…wie sie – aufgewachsen in der großen, lebendigen, heißen Stadt – geheiratet hat und mit ihrem Mann in die Schaffarm von dessen Eltern gezogen sind. Wie sie sich fremd vorkam in dieser weiten Gegend, wo man 365 Tage im Jahr heizen muss, wo es tausende Schafe aber außer den Angestellten kaum Menschen gab, viele Stunden von Punta Arenas entfernt, wo es ebenso kalt war wie auf der Farm, es aber Menschen, Kultur und Geschäfte gab.

Irgendwann begann sie ihre neue Heimat zu lieben. So sehr, dass sie darum zu kämpfen begann, als die kommunistische Regierung ihnen alles weg genommen hatte, sie bis auf ein paar Möbelstücke alles zurück lassen mussten. Drei Jahre hat sie dann in Punta Arenas (?) gelebt, bis es ihr gelungen ist, einen Teil des Landes und die Farmgebäude zu kaufen. Sie beschreibt, wie sie zurück kam, neugierig, wie sie das Haus vorfinden würde. Man hat ihr dann erzählt, dass der neue Manager der Farm nur zwei mal dort geschlafen hat und auch danach hat niemand länger hier gewohnt…“Die Familie Morrison geht nachts die Stiegen auf und ab“. Etwas scheint an der Geschichte dran sein, sonst wäre das Haus und sein Interieur wohl nicht so perfekt erhalten.

Nun leitet sie mit ihren achtzig Jahren die Farm, tausend Schafe gibt es, Platz wäre für deutlich mehr. Um sich finanziell über Wasser zu halten, öffnet sie die Türen ihres Hauses für Touristen. Sie macht das gerne sagt sie, das Haus ist so groß und ein paar Türen hält sie verschlossen. Und Souvenirs zu verkaufen weigert sie sich.

Ihr Sohn hat übrigens in Punta Arenas eine Arbeit gesucht und gefunden – er fand das Leben eines Schafzüchters wohl nicht so toll. Aber zwei der Enkel sind gerade da, beide studieren in Schottland, einer davon Agrikultur und freut sich darauf auf der Farm zu leben, ein hübscher junger Kerl übrigens. Und der ist sehr wohl auf den Fotos.

Signore Mariette schaut zufrieden. Nun hat sie noch einen Wunsch. Sie möchte nach Schottland, in das Stammland ihrer Sippe. Ich frage sie, wann sie gehen will und sie sagt: „Soon. It’s better to wait not too long.“

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