Es gibt ein Leben vor dem Tod

Reisen und Anderes
Aida: Karibik und Amazonas

Santarem

„It is a great place to live“, meint unser Führer und das Strahlen in seinen Augen zeigt, dass er es ernst meint. Wahrscheinlich empfand  das keiner von unserem Schiff so, als wir gestern nach unserer Ankunft von Bord gingen. Man hat uns schon gesagt, dass wir hier so viel oder wenig Angst um unsere Geldtasche haben müssen wie in anderen Städten, aber die Häuser an der Hafenstraße haben so gar keine Ähnlichkeit mit eleganten Hafenvierteln, die Straßen sind holprig und die Kähne im Wasser haben schon einige Jahre auf dem Buckel. Es fällt uns aber auf, dass der Verkehr hier gesitteter abläuft als auf den karibischen Inseln ,man hört kein Gehupe und die Fahrer wissen, wofür Zebrastreifen gut sind. Die Luft ist lau (je nach Geschmack könnte man auch warm oder etwas schwül sagen), die Menschen wirken freundlich und es ist schön im „Stelzenhaus“ am Wasser zu sitzen. Die Stelzen schauen etwas unpassend aus, aber wenn die Regenzeit richtig eingesetzt hat, sieht hier alles anders aus, Inseln die an uns vorbeigezogen sind, werden dann nicht mehr zu sehen sein und die Fischerkähne werden dann weiter herein fahren.

 Santarem ist die drittgrößte Stadt am Amazonas und für die Menschen hier wirklich ein guter Platz. Sie kommen in die Stadt um ihre Waren zu bringen, einzukaufen, zum Arzt zu gehen, Zivilisation zu genießen. Für die meisten sind Schiffe das geeignete Fortbewegungsmittel. Sie sind meist drei oder vierstöckig, unten werden Waren transportiert, bei größeren „Kähnen“ auch Autos, die oberen Stockwerke sind seitlich offen und erst wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass sie voller Hängematten sind. Die bringen die Passagiere selber mit und verbringen dann die Hauptzeit der Fahrt dort drinnen. Das schaut zwar bequem aus, aber es gibt schaurige Erzählungen von Leuten, die da mitgefahren sind, die Toiletten haben kein Wasser und natürlich gibt es auch keine Gelegenheit zu waschen. Die Fahrt nach Manaus oder Belem dauert drei Tage und Nächte und die Luft ist heiß und schwül. Unser Schiff ist besser.

 Was die Menschen wie unseren Führer hier aber so selbstbewusst und zufrieden macht, ist der wirtschaftliche Aufschwung. Musste der vorletzte Präsident um 1995(?) noch Staatsbankrot anmelden, so zählt Brasilien nun zu den reichen Ländern der Erde und der Staatshaushalt ist seit vielen Jahren ohne Verschuldung. Außerdem tut die Präsidentin viel für die ärmere Bevölkerung, gibt Geld für die Bildung und ärztliche Versorgung aus. Unser Reiseführer zeigt uns auf der Fahrt eine Siedlung von 1000 kleinen Häuschen die Heimat für die sozial schwächeren werden soll, weitere 4000 sind in Bau und mein Foto aus dem Bus ist nicht sehr aussagekräfig. Ich stelle es trotzdem hier herein – für mich als Erinnerung. – … dass der wirtschaftliche Boom auch das Abholzen der Regenwälder, Umweltverschmutzung, Vertreibung der Indianer bedeutet, kommt in der Begeisterung unseres Reiseführers nicht vor.

 Der Amazonas und der Regenwald bieten den Bewohnern alles Notwendige. An den Geruch auf dem Fischmarkt werde ich mich wohl nicht gewöhnen, aber die Fischvielfalt ist faszinierend. Auf jedem Markt gibt es auch mindestens einen Stand wo Kräuterfrauen seeehr eigenartige Naturmedizin verkaufen. Soll viel wirksamer sein als das Zeug das die Ärzte so haben.

Außerhalb von Santarem sehen wir wie Maniok zubereitet wird: Die Wurzeln des Baumes werden geschält, zerkleinert, ausgepresst (daraus wird in dreistündiger Kochzeit jene gelbe „Suppe“ erzeugt, die man auf den Märkten in Plastikkübeln zum Verkauf anbeitet) und geröstet.

 Und dann waren wir noch in Alter do Chão auf der Insel der Liebe. Das ist ein wunderschönes Inselchen mit weißem Sandstrand, den es nur aulßerhalb der Regenzeit gibt. Die kommt heuer etwas später und so können wir den Strand ein bisschen genießen.

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