Es gibt ein Leben vor dem Tod

Reisen und Anderes
Kuba Reisen

Der Fahrer gewinnt immer

Heute geht es von Trinidad nach Varadero, wo wir Weihnachten und die letzten Tage in einem All-Inclusive-Hotel und gepflegtem Sandstrand entspannen möchten.

Noch einmal Gemeinschaftstaxi. Die Fahrtdauer ist mit dreieinhalb Stunden angesetzt, das Auto wieder alt, aber nur mit zwei Sitzreihen. Wir schließen messerscharf: Diesmal haben nur 5 Passagiere Platz. Wieder ist der Fahrer überpünktlich vor unserer Türe und wieder müssen wir vor der nächsten Unterkunft warten, weil unsere Mitreisenden gemütlich fertig frühstücken müssen. Eva hat inzwischen festgestellt, dass der mittlere hintere Sitz nur eine dünne Stoffschicht über den Metallfedern hat, und wir wechseln auf die vorderen Sitze. Wenn wir schon warten müssen….

Dann kommen drei junge Männer mit unendlich viel Gepäck aus der Tür, Studenten die das Ende ihres Auslandsemesters mit einem Abstecher über Kuba feiern. Große Aufregung, der Zimmerwirt sieht sich um seine Vermittlungsgebühr betrogen, weil er den Taxifahrer nicht kennt, die beiden Amistudenten haben Panik, weil ihre hübschen Riesenkoffer nicht in den Kofferraum passen und aufs Autodach sollen. Nur der Student aus Deutschland möchte unbedingt in diesem Auto fahren. Er ist erst einen Tag in Kuba und weiß nicht, dass alle Gemeinschaftstaxis ähnlich alt, ähnlich „typisch kubanisch“ und ähnlich stylisch sind. Wir wünschen uns, dass er sich durchsetzt damit endlich alle einsteigen und wir losfahren können.

Nix ist. Nach ewigen Diskussionen steigt nur unser Fahrer wieder ein. Natürlich fahren wir nicht nach Varadero sondern zu einem Platz, wo noch andere Autos wie unseres stehen. Der Fahrer steigt erst mal aus, raucht eine Zigarette, plaudert ein bisschen mit den anderen, telefoniert. Wir ärgern uns nur ein ganz kleines bisschen, haben schon gelernt, dass man manche Dinge nicht ändern kann. Dann steigt unser Boss wieder ein, erklärt uns, dass wir nicht sagen sollen, wie viel wir für die Fahrt bezahlt haben (20 CUC) und fährt dann los. Eva stoisch: „I waß scho, wo der hin foat“.

Die drei Studenten und ihre vielen Koffer stehen noch immer an der Straße. Jetzt dürfen die Koffer auf das Dach gebunden werden, die Jungs steigen brav hinten ein und jeder bezahlt 25 CUC. Fast genießen wir diese letzte Fahrt, finden es lustig, dass auch dieser Fahrer den Mädchen nachpfeifen muss, zwingen uns nicht zu genau hinzuschauen, wie komisch lange der Mann am  Lenkrad drehen muss, bis es reagiert. Wir grinsen als die Jungs dem Fahrer erklären wollen, dass wir keine Rast brauchen. Wir wissen, dass sie keine Chance haben. Vielleicht braucht ja das Auto wirklich eine Pause, sicher aber ist, dass diese Zwangspausen mit der Hoffnung auf eine Konsumation und damit eine „Vermittlungsgebühr“ zu tun haben. Dass der deutsche Student in der Mitte über seinen unbequemen Sitz klagt, nehmen wir bedauernd aber kommentarlos zur Kenntnis…

Dann sind wir in Varadero, unsere Reisbegleiter werden immer stiller und auch der Fahrer ist sich nicht ganz sicher, aber die Adresse führt ihn immer weiter hinaus auf der Landzunge zu den noblen Hotels, die Einfahrt zu einem beeindruckenden „Pyramidenhaus“ erscheint. Man kann da nicht einfach hinein fahren, muss erst zeigen, dass man wirklich Gast ist … Ich hab das Gefühl, in den Augen der Jungs sind aus den coolen älteren Ladies zwei Verräterinnen geworden.

Was soll’s. Wir sind auf der letzten Etappe unserer Reise angelangt, ein Portier hilft uns mit dem Gepäck, bietet uns Champagner an (okay, wird Sekt sein), die Zimmer sind noch nicht ganz fertig, die Mittagszeit schon vorbei. Am Pool gibt es Würstchen und Pommes und die Tischchen sind hübsch gedeckt. Auch das ist Kuba. Ist das auch Kuba?

Vielleicht erzähle ich später noch vom Hotel. Es ist wirklich fein hier,  das Hotel und der Strand sowieso, überall und jederzeit Getränke in großer Anzahl und nett serviert, das Essen ist okay,  es geht uns wirklich gut und es passt super als Abschluss unserer Reise. Aber so richtig toll waren die Tage vorher.

Hotel Blau Varadero

2 Kommentare

  1. Wir hatten auf Kuba einen eigenen Mietwagen. Auch typisch kubanisch. Bei der Mietwagenübergabe meinte der Vermieter „no problems, no cuba“ zu uns. Das Auto war ein chines. Fabrikat, das Lenkrad stand schief, der Tacho ging nicht und ab 80 kmh hatte das Lenkrad so gezittert, dass ich immer langsamer gefahren bin. Außerdem war immer die Motorkontrollleuchte an, das muss aber so bei den „crazy chinese cars“, meinte der Vermieter. Auf der Autobahn sind wir Zeugen eines beihahe-Unfalls zwischen einer Pferde-Kutsche und einem LKW geworden. Zu allem Überfluss musste ich noch Autofahren, da mein Freund seinen Führerschein vergessen hatte.
    Eine andere Individualtouristin, die Dame war 60+, ist mit den Bussen von Viazul gereist. Beim nächsten Kuba Besuch würden wir das auch mal probieren. Vorallem weil es günstiger als ein Mietwagen und weniger stressiger ist.
    Und ja auf Kuba gehen die Uhren langsamer. In unserer Unterkunft in Trinidad war es nicht möglich, dass alle 5 Pärchen gleichzeitig zu Abend essen, da es den Küchenfeen zu stressig war gleichzeitig für 10 Personen zu kochen. 😉

    LG Myriam

    1. An einen Mietwagen haben wir uns nicht getraut. Zwei Frauen, der Sprache nicht mächtig sind in einen Unfall irgendwo im Grünen verwickelt – das wollten wir nicht riskieren.

      Viazulbusse sind aber eine gute Alternative. Da muss man allerdings schon am Tag vorher um Karten anstehen und sie fahren von Fixpunkt zu Fixpunkt. Wir wollten uns das Kofferschleppen und Suchen der Unterkunft nicht antun. Die Busse sind aber sehr schön und modern. Laut Beschreibung sind aber die Fahrer so begeistert von ihrer Klimaanlage, dass man gut daran tut, ein warmes Kleidungsstück an zu ziehen. Und wir sind schon im Hexenschussalter. 🙂

      Lieben Gruß und danke für die Ergänzungen

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